Leitfadeninterview

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leitfadeninterview

[Bearbeiten] Anfängerfehler

1) ein zu häufiges Nachfragen – die Tendenz zu einem dominierenden Kommunikationsstil
2) ein zu zögernde Nachfragen
3) viele suggestiv Fragen (z.B. „Das war sicher anstrengend für Sie“) oder suggestive Vorgaben und Interpretationen.
4) Die Häufung von bewertenden und kommentierenden Aussagen (auch wenn sie unterstützend gemeint sind)
5) Probleme mit dem passiven Zuhören und den/die andere Reden/Erzählen lassen.
6) Eine aus Angst vor Unvollständigkeit resultierende Unfreiheit im Umgang mit dem Gesprächsleitfaden: dieser wird immer wieder penetrant ins Gedächtnis gerufen
7) Fragen werden doppelt gestellt


[Bearbeiten] Tools für das Leitfadeninterview

  • Ausreichend Papier (liniert), um Stichworte zu notieren
  • Handblatt mit schriftlichen Informationen über Hintergrund und Zweck des Interviews,
  • Name der Person, die das Interview führt und Telefonnummer für Rückfragen
  • Bleistift, Kugelschreiber, Radiergummi
  • Aufnahmegerät (Kassette, Minidisc oder Diktiergerät), Mikrofon und Netzadapter , Reservebatterien
  • Kamera
  • Eventuell: Fotos, Schaumaterialien
  • Livecribe


[Bearbeiten] Leitfrage formulieren

Folgende allgemeine Aspekte der Formulierung sind wichtig zu beachten; 1. Keine uneindeutigen oder missverständlichen Fragen
2. Keine Mehrfachfragen oder Fragealternativen
3. Eine einfache Wortwahl verwenden: Alltagssprache, keine Fachsprache
4. Wortwohl dem Sprachschatz und Redeweisen (soziolinguistischem Niveau) des/der Interviewten anpassen

Konkrete Anforderungen an Frageformulierungen:

5. Keine geschlossenen Fragen (Bsp.: „Ist ihre Kindheit gut verlaufen?“)
6. Keine wertenden oder aggressiv klingenden Fragen
7. Keine Erwartungen andeuten (Bsp.: Sie waren zu dieser Zeit eine junge Frau, haben sie da auch geraucht?)
8. Keine direkten, suggestiven Fragen (Bsp.: Sie haben bestimmt eine schöne Kindheit gehabt.“)
9. Keine Scham- und Schuldgefühle auslösenden Fragen
10. Keine emphatischen Kommentare („das ist ja sehr interessant“, „super“ etc.) Die Ausnahme sind Affirmationen, um das Gespräch aufrecht zu erhalten („mhm“, „ja“ etc.)
11. Keine Deutungsangebote machen („Wenn ich Sie richtig verstanden habe, sehen Sie das so, dass...“)
12. Keine Fragen, mit denen auf Klärung insistiert werden soll („Waren Sie nun als kleines Kind schon ...., oder erst später, oder wie war das jetzt?“)
13. Keine geschlossenen Nachfragen, mit denen das eigene Verständnis überprüft werden soll („Sie haben sich also schon als kleines Kind schlecht behandelt gefühlt“)
14. Tabuthemen vorsichtig und eher am Ende eines Interviews ansprechen.


Wie den Leitfaden erstellen?

  • In einem Brainstorming viele Fragen sammeln
  • unpassende Fragen strichen
  • inhaltlich nach Themen sortieren
  • im konkreten Leitfaden ein- und unterordnen

Strukturierung
Leitfrage
Erzählaufforderung/Stimulus sehr offen formuliert: „Erzählen Sie mir bitte doch einmal, wie sie aufgewachsen sind?“ Aufrechterhaltungsfrage
Impulse für assoziative Gedanken: „Wie ging es weiter?“, „Was fällt Ihnen sonst noch ein?“ „Und sonst?“, „Und weiter?“ „Was bringen Sie mit „X“ gedanklich noch in Verbindung?“ konkretes Nachfragen


[Bearbeiten] Durchführung von Interviews

[Bearbeiten] Eröffnung des Interviews

  • Die Eröffnung und die Einführungsworte vorab einmal durchzudenken und einzuüben
  • Die Verwendung/Bedienung des Aufnahmegerätes muss eingeübt sein
  • Eine offene und freundliche Atmosphäre herzustellen und die Bereitschaft, im Interview teilzunehmen würdigen. In der Eröffnungsphase soll auch noch einmal auf den Anlass des

Interviews und den Verlauf eingegangen werden. Um die Aussagen der Erzählperson nicht zu beeinflussen, soll nur das Thema der Seminararbeit/Diplomarbeit, aber nicht die genaue Forschungsfrage/Thesen etc. genannt werden.

  • Wenn geschlossene Fragen gestellt werden (z.B. Geburtsdatum, Anzahl der Familienmitglieder, Ausbildung etc.), sollten diese am Schluss des offenen Interviewteils gestellt werden (Ausnahme wichtige Daten, die für den Interviewverlauf wichtig sind)

[Bearbeiten] Ort

In der Umgebung des Interviewten

[Bearbeiten] Zeit

max 1 Stunde

[Bearbeiten] Dokumentation

„Subjektivität“ und „Reflexivität“ Es ist daher auch wichtig, die eigenen Eindrücke und Bebachtungen, Verunsicherungen und Emotionen in Feldprotokollen (Selbstbeobachtung) festzuhalten. (Leitfragen dafür können sein: Hat das Gespräch in der Form stattgefunden, wie es von mir geplant war? Habe ich mich sicher/unsicher gefühlt? Hat sich die Erzählperson sicher/unsicher gefühlt? Wer hat außer mir und meinem/meiner InterviewpartnerIn am Gespräch teilgenommen?)

[Bearbeiten] Teilnehmende Beobachtung

Relevantes tichwortartig festhalten

[Bearbeiten] Transkription

Interessiert nicht nur das „WAS“ der Erzählung, sondern auch das „WIE“, ist es wichtig, die Tonlage, Pausen und andere non-verbale Kommunikationsweisen mitzutranskribieren. Dafür wurden in der Qualitativen Sozialforschung standardisierte Transkriptionssysteme entwickelt (z.B.

  • (.) für eine Mikropause = < 1 sec) oder
  • (?) für eine ansteigende Tonhöhe).
  • „Ähm“, „Hmhm“ nur transkribieren, wenn diese Äußerungen ein Phänomen darstellen (z.B. die Sprecherin erzählt flüssig, eine bestimmte Frage stimmt sie nachdenklich, unsicher etc.)
  • Was transkribieren? Grundsätzlich gilt: „Verschrifte weitgehend all das, was du hörst so, wie du es hörst.“








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